Kontinuität schafft eine andere Tiefe
Seit 2018 begleitete ich techbold als Aufsichtsratsvorsitzender. Über einen solchen Zeitraum lernt man mehr als einzelne Quartalszahlen kennen. Man erlebt, wie sich ein Unternehmen verändert, welche Entscheidungen tragen und wo neue Fragen entstehen.
Meine Arbeit umfasste Wachstum, Finanzierung, M&A, Vorstandsfragen, Reporting und Governance. Dabei war mir wichtig, dass der Aufsichtsrat eine klare eigene Sicht entwickelt und für den Vorstand ein konstruktiver Gesprächspartner bleibt. Die operative Führung liegt beim Vorstand. Meine Aufgabe ist es, Entscheidungen zu hinterfragen, Orientierung zu geben und die Qualität der Aufsicht zu sichern.
Wachstum muss auch in der Bilanz verstanden werden
Bei einem Unternehmen, das auch durch Akquisitionen wächst, reicht der Blick auf Umsatz und Ergebnis nicht aus. Was wurde gekauft? Wie werden Werte bilanziert? Welche Erwartungen stecken in Kundenbeziehungen und Firmenwerten? Und was passiert, wenn sich diese Erwartungen verändern?
In der Aufsicht habe ich mich deshalb auch mit M&A-bedingten Aktivierungen, Goodwill und Werthaltigkeit beschäftigt. Solche Fragen verbinden Transaktionen mit der laufenden finanziellen Steuerung. Sie verlangen, dass man sich mit den Details auseinandersetzt und zugleich den wirtschaftlichen Zusammenhang im Blick behält.

Klar in der Sache. Konstruktiv im Gespräch.
Ich denke schnell und habe meist eine klare Meinung. Diese Meinung gehört für mich ausgesprochen. Ein Aufsichtsrat erfüllt seine Aufgabe nicht dadurch, dass er eine gut vorbereitete Präsentation kommentarlos zur Kenntnis nimmt.
Genauso wichtig ist die Art der Zusammenarbeit. Vorstand, Eigentümer und Aufsichtsrat haben unterschiedliche Aufgaben und Perspektiven. Eine gute Diskussion macht diese Unterschiede produktiv. Ich möchte, dass nach einer kritischen Frage eine bessere Entscheidung möglich wird. Dazu gehören Vorbereitung, Vertrauen und die Bereitschaft, auch die eigene Einschätzung zu verändern.
Den Weg bis zum Abschluss begleiten
2026 wurde techbold vollständig an accompio verkauft. Der Exit war das Ergebnis einer längeren Entwicklung und eines anspruchsvollen Transaktionsprozesses. Ich habe diesen Weg aus meiner Rolle im Aufsichtsrat und als Eigentümervertreter begleitet.
Bei einer breit gehaltenen AG geht es dabei um weit mehr als die Einigung über einen Verkauf. Beschlüsse, Interessen, Unterschriften und der Vollzug müssen zusammengeführt werden. Auch nach dem Closing folgen gesellschaftsrechtliche Schritte und Übergaben. Dass diese Teile ineinandergreifen, gehört für mich zu einer professionellen Begleitung.
techbold steht in meiner Geschichte für langfristige Verantwortung in der zweiten Reihe. Der erfolgreiche Exit ist ein wichtiger Meilenstein. Die eigentliche Arbeit lag aber in den vielen Entscheidungen davor – und in einem Gremium, das mit dem Unternehmen weiterlernen musste.
Was ich daraus mitnehme
Erfahrung, die bleibt.
- Langfristige Aufsicht verbindet das Wissen über die Vergangenheit mit Offenheit für die nächste Unternehmensphase.
- M&A verlangt finanzielle Tiefe – auch nach dem Kauf und über das Closing hinaus.
- Klarheit und Vertrauen sind gemeinsame Voraussetzungen für wirksames Sparring.
